Hat’s „gebrizzlt“? Eine Webseite hilft, Personen aus flüchtigen Begegnungen wieder zu finden

Keine seltene Situation: zwei Menschen tauschen einen intensiven Blickkontakt, ein Lächeln oder auch ein paar Worte aus. Und dennoch reicht die Begegnung nicht für die Übergabe von Kontaktdaten und damit der Möglichkeit zu einem besseren Kennenlernen. Laut einer Studie von ElitePartner seien allein 55% der Männer und 40% der Frauen zu schüchtern, einen anderen Menschen überhaupt anzusprechen. Und dennoch bleibt von diesen Zusammentreffen manchmal der Wunsch zurück, den anderen doch noch kennenlernen zu wollen.

Nach Recherchen und Schätzung von Philipp Swoboda und Axel Schwaiger, den Gründern der Internetseite www.brizzl.de, gibt es in Deutschland mehr als 100 Webseiten, die das Hinterlassen einer Suchanzeige für diese allein gelassenen Herzen ermöglichen. Insbesondere haben die auf facebook populären „Spotted-Seiten“ das Thema seit Anfang 2013 mit lokalen Bezug aufgenommen und konnten eine enorme Popularität gewinnen (z.B. Spotted Oktoberfest). Erfolgsmeldungen werden von keiner Seite publiziert, aber dürften sie zumeist nur einen kleinen Anteil aller aufgegebenen Suchanzeigen haben.

Das Ziel ihrer kürzlich überarbeiteten Webseite ist, diesen Prozentwert deutlich zweistellig werden zu lassen. Dafür wurde ein innovatives Konzept entwickelt, das gleichzeitig Kern der „viralen Marketing-Strategie“ von brizzl ist: die User können Suchanzeigen zu Ort und Zeit der Begegnung hinterlassen und sich darüber hinaus gegenseitig bei der Suche ihrer „verpassten Flirts“ helfen, indem sie die Anzeigen anderer Suchender in Richtung der gesuchten Personen weiterleiten. Das „Kleine-Welt-Phänomen“ von Stanley Milgram stand diesem Ansatz Pate.

Um den Usern auch einen Anreiz für das Helfen zu geben, bekommen diese Punkte gutgeschrieben, welche sich danach richten, wie viele weitere Personen durch die Weiterleitung eine Suchanzeige lesen. Des weiteren wird dem Helfenden die Möglichkeit geboten, den Geholfenen auch um Unterstützung der eigenen Suche zu bitten. In einer komplexen Datenbankstruktur wird die Kette der Weiterleitungen aufgezeichnet, sodass bei einer erfolgreichen Suche bekannt ist, welche einzelnen User zur Vermittlung beigetragen haben, was nochmals mit Sonderpunkten belohnt wird.

Auch bisher einzigartig für solche Webseiten ist, dass öffentlich verfügbare Statistiken zu jeder Suchanzeige wiedergeben, wie oft und wo in Deutschland diese bereits gelesen wurde. Genauso wird über dem Zeitstrahl dargestellt, wie oft bei der Suche schon geholfen wurde. Aus diesen Werten lassen sich die Wahrscheinlichkeit für den erfolgreichen Abschluss einer Suche ableiten.

Beim Aufbau der Webseite wurde stets Wert auf die Währung der Anonymität der User gelegt. „Die wenigsten möchten, dass die Freunde erfahren, dass man sich nicht getraut hat, das Mädel aus der Disko anzusprechen und sie nun sucht“ weiß Philipp Swoboda. Ein registrierter User hat deswegen die Möglichkeit, beim Verfassen seiner Suchanzeigen jedes Mal einen anderen Nickname zu wählen. Auch die Kontaktaufnahme zwischen zwei Usern erfolgt zunächst völlig anonym. Sie können sich jedoch später einzelne Profilinformationen gegenseitig freischalten, wenn das Vertrauen aufgebaut ist.

Ein ansprechendes Design, die Einbindung von Google-Maps und eine intuitive Bedienung runden den Gesamteindruck der Webseite brizzl ab und lassen die Hoffnung vieler Suchender steigen, dass sie ihre gesuchte Person finden und doch noch eine zweite Chance für ihren verpassten Flirt bekommen.

Die Webseite brizzl.de wurde von Philipp Swoboda und Axel Schwaiger 2009 als brizzl UG (Haftungsbeschränkt) gegründet. Der Geschäftssitz ist Zorneding in der Nähe von München. Die erste Version wurde Ende 2009 online geschaltet und zum Oktober 2015 durch die neue Version mit den hier beschriebenen Funktionen abgelöst. Das mittlerweile dreiköpfige Team ist eigenfinanziert und plant auch eine Englisch sprachige Version zu veröffentlichen.

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