Die Webseite brizzl.de will eine attraktive Nische im Bereich des online-Datings besetzen

Dabei ist die Grundidee nicht neu: zwei Menschen, die einen intensiven Blickkontakt, ein Lächeln oder auch ein paar Worte ausgetauscht haben, konnten keine Kontaktdaten übergeben und möchten sich später dennoch kennenlernen. Dass dieser Wunsch keine Seltenheit ist, zeigt eine permanent hohe Quote an Singles in Großstädten, von denen allerdings ~50% zu schüchtern zum Ansprechen einer fremden Person seien. Nach Recherchen und Schätzungen der Gründer Philipp Swoboda und Axel Schwaiger gibt es alleine in Deutschland über 100 Webseiten (+ andere Medien), wo Menschen Suchanzeigen für ihren „verpassten Flirt“ aufgeben können. Die Erfolgsaussicht für ein erfolgreiches Wiederfinden schätzen die Internetunternehmer allerdings eher gering. Die größten Erfolgsaussichten bieten heutzutage sogenannte „Spotted“-Seiten auf facebook, die lokalen Bezug haben (Bsp. Spotted Oktoberfest) und teilweise hohe Fanzahlen aufweisen Die Zielsetzung von brizzl.de ist, die Erfolgsaussichten für das erfolgreiche Wiederfinden in den deutlich zweistelligen Prozentbereich zu heben.

Dies soll insbesondere durch die Nutzung der „Web 2.0“-Technologie erreicht werden: andere User der Webseite sollen bei der Suche helfen können, indem sie die Suchanzeigen in Richtung der gesuchten Personen weiterleiten (s. hierzu auch das „Kleine-Welt-Phänomen“ von Milgram). Dass die „Beteiligung der Masse“ zum Erreichen eines Ziels (auch als „Crowd-sourcing bezeichnet) immer auch einen Anreiz benötigt, ist auch dem brizzl-Team klar. Gelöst wurde diese Aufgabenstellung dadurch, dass ein Helfer dem so Geholfenen anschließend auch um Hilfe bei seiner eigenen Suche bitten kann. Außerdem bekommen Helfer Punkte zugeteilt, die sich nach dem Einfluss auf den Sucherfolg bemessen.

Dieses Prinzip soll nicht nur die Erfolgsaussichten entscheidend steigern, es ist gleichzeitig die wichtigste Säule im „Viral-Marketing-Konzept“: „Wenn ein Helfer zehn Freunde über Facebook, Twitter oder Email auf eine Suchanzeige aufmerksam macht, dann lernen diese dabei gleich die Webseite kennen und möchten sie vielleicht auch nutzen.“

Ein weiteres innovatives Detail soll den „Suchtfaktor“ auslösen: zu jeder Suchanzeige lassen sich öffentlich Statistiken einsehen, welche verraten, wie häufig und auch wo in Deutschland die Suchanzeigen bereits gelesen wurden. Dafür werden die Daten einer externen Statistik-Software ausgelesen, wobei auf Konformität zum deutschen (recht strengen) Datenschutzgesetz stets Wert gelegt wird. Die Kette der Weiterleitungen bis hin zur gesuchten Person wird auch in einer Datenbank erfasst, was sogar die Rückverfolgung zu jenen Usern zulässt, welche schlussendlich zur Vermittlung der erfoglreichen Suche beigetragen haben.

Im Gegensatz zu den „People-Discovery-Apps“ setzt brizzl auf völlige Anonymität der User, die untereinander frei kommunizieren und sich darüber kennenlernen können.

Wie immer stellt sich bei innovativen Konzepten wie diesem die Frage, wie daraus ein Geschäftsmodell entstehen kann. „Wir versprechen, dass die User brizzl ohne Kosten nutzen können!“. Kostenpflichtige oder auch Freemium-Ansätze würden User verkraulen können, die in brizzl ein unterhaltsames Medium suchen. „Wir nutzen schon heute dezente Werbeflächen,“, verrät der Geschäftsführer, „deren Einnahmen sich hoffentlich weiter skalieren lassen ohne dabei dem User lästig zu werden“. Dennoch sei dies nicht die einzige mögliche Einnahmequelle für die Webseite. „Wir haben schon sehr konkrete Vorstellungen, für deren Einführung aber zunächst ein Massenpublikum aufgebaut werden soll. Außerdem müssen wir erst belegen, dass man auf brizzl tatsächlich eine hohe Chance hat, den verlorenen Flirt wiederzufinden“.

Bis dahin wird das eigenfinanzierte Unternehmen, an dem drei Köpfe arbeiten, zunächst noch ein paar Durststrecken durchlaufen müssen. Wenn auch VC-Kapital für ein stärkeres Wachstum nicht ausgeschlossen wird, legt das Team großen Wert auf einen bedachten Umgang mit Ressourcen. „Wer ‚Bootstrapping‘ betreibt, beweist, dass er Investionen sehr genau abwägt und bewusst mit Geld umgeht!“.

Die Webseite brizzl.de wurde von Philipp Swoboda und Axel Schwaiger 2009 als brizzl UG gegründet. Der Geschäftssitz ist Zorneding in der Nähe von München. Die erste Version wurde Ende 2009 online geschaltet und zum Oktober 2015 durch eine neue Version abgelöst. Das dreiköpfige Team ist eigenfinanziert und plant, auch eine englische Version zu veröffentlichen.

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